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Ein von mir kürzlich gelesenes Buch geht der Frage nach, was man aus der Nachfrage nach Pornographie im Internet für die Struktur unseres Begehrens lernen kann. Und was für unterschiedliche Bedürfnisse unterschiedliche Spezies wie Männer und Frauen so haben, aufgefächert nach dem, was sie im Internet an audiovisuellen Inhalten und Texten suchen (die Untersuchung wertet u.a. anonyme Suchmaschinenabfragen und Nutzungsstatistiken bei PornHub und Portalen für Liebesromane aus). Die deutsche Ausgabe des Buches ist bedauerlicherweise etwas reißerisch aufgemacht.

Vielleicht interessiert das vor dem Hintergrund des derzeitigen Konflikts zwischen anonymer Internetnutzung und sozialer Kontrolle (durch US-amerikanische Überwachungsanstrengungen). Die Debatte wird üblicherweise auf das statistisch letztlich irrelevante Gebiet von (islamistischem) Terrorismus verschoben (das dürfte eigentlich so gut wie niemanden betreffen und damit auch keinen aufregen). Wobei man die Betroffenheitsbefindlichkeit wohl von Pornographiegebrauch und dem Ignorieren urheberrechtlicher Nutzungsbeschränkungen überträgt (was wohl jeden betrifft und wo jeder Überwachung als bedrohlich empfindet). Weshalb man dann auch gleich berechtigterweise wie die Autoren der Studie fragen kann, nu, und, was lernen wir aus dem Vorhandensein einer Milliarde schmutziger Gedanken im Internet über das Wesen des Menschen?

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